eine eiche für die einheit

09. November 1989 , Freitag Abend. Wie jede ostdeutsche Familie, saßen auch meine Familie und ich -damals 14 Jahre- vor unserem schon! Farbfernseher und wollten das Freitagabend Programm schauen.

Aber an diesem Abend sollte alles anderes sein. Und so durften wir, wie all die vielen Millionen von Menschen vor den Fernsehern und Radios das Wunder der Wiedervereinigung mit erleben.

Ein Bericht von Nicole Renner

Am Morgen danach fragte mich meine kleine Schwester (damals 6 Jahre) uns andere aus der Familie: “Wann kommt denn nun der “Westen” ? Sie hatte sich vorgestellt, dass über Nacht der Konsum mit Ü-Eiern und Sarotti Schokolade beliefert wird, die es sonst nur zu Weihnachten von Oma gab. Oder an die gut riechenden Blue Jeans, wo man nicht wusste, wo dieser himmlische Duft herkam und warum unsere Chemiker es nicht geschafft hatten, diesen zu erfinden. Heute wissen wir mehr darüber.

Schlussendlich dauerte es dann doch noch lange, bevor der “Westen” in unser kleines Dorf kam und die Geschichte “Wiedervereinigung” auch Realität in den Regalen der HO Märkte wurde.

Ich kann heute mit 45 Jahren verstehen, dass es vielen schwer viel mit dieser massiven Veränderung umzugehen. Das merke ich heute an dem Thema Corona. Kinder haben hier viel weniger Berührungsängste und passen sich schnell an, auch wenn der Vergleich vielleicht hinkt.

Damals fand ich alles, was nach dem 9. November kam aufregend und spannend und es konnte gar nicht schnell genug gehen. Wenn ich heute in meine alte Heimat fahre, freue ich mich und denke auch gern zurück. Es ist und bleibt eine schöne Erinnerung für mich – die DDR- und ein Teil meiner Geschichte und meine Heimat.

Eichbaumpflanzung am 03. Oktober 2020

So habe ich mich auch sehr gefreut, als Hafid unser Jugendpfleger der Stadt Syke mich fragte, ob ich mit einigen Kindern und Jugendlichen aus dem TSV Ristedt vorbeikommen wolle, um am Tag der Deutschen Einheit einen Baum zu pflanzen, eben zum Gedenken an den 30. Jahrestag.

Es waren neben Ben, Elias, Naomi und Maja auch noch andere Kinder und Jugendliche aus Syke da, daneben natürlich auch die Bürgermeisterin Suse Laue und die ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen Edith Heckmann und Gabriele Beständig da. Vom städtischen Bauhof wurden die Baumeinbuddler natürlich fachlich unterstützt.

Nach einer Viertelstunde war die Arbeit getan und nach feierlichen Worten durch Frau Laue gingen wir auseinander, um uns vielleicht im nächsten Jahr genau an diesem Platz wieder zu treffen und zu gedenken.

Wer sich die Traubeneiche anschauen möchte, der kann dies am Riederdamm, Ecke Ernst Boden Str. tun.
Ich werde beim täglichen Vorbeifahren immer an die tolle Aktion der Stadt und meine kleine Schwester denken, mit ihrer Frage: “Wann kommt denn nun der Westen”? Heute sind wir Gott sei Dank eins, wenngleich auch manchmal leider noch nicht im Kopf bei jedem, aber es ist auch erst 30 Jahre her. Ich bin zuversichtlich das die Zeit es richten wird- wie immer in der Geschichte.